Portionsgrößen im Supermarkt: Diese wissenschaftlich belegte Täuschung lässt Ihre Kinder doppelt so viel Zucker essen

Süßer Mais aus der Dose oder dem Glas wirkt auf den ersten Blick wie eine perfekte Beilage für Kinder. Die Nährwerttabelle zeigt moderate Werte für Zucker und Salz, die gelben Körner schmecken den Kleinen und sind schnell zubereitet. Doch hinter dieser scheinbaren Harmlosigkeit verbirgt sich eine Täuschung, die systematisch funktioniert und gerade bei Lebensmitteln für Kinder problematische Ausmaße annimmt. Die Portionsgrößen auf den Verpackungen entsprechen nämlich selten der Realität, und genau das nutzen Hersteller gezielt aus.

Wenn aus 60 Gramm plötzlich 150 werden

Die Verbraucherzentrale Berlin hat in einer wissenschaftlichen Untersuchung mit etwa 1.500 Personen ein aufschlussreiches Phänomen dokumentiert. Bei Müsli beispielsweise gaben Hersteller 40 Gramm als Portion an, während die Menschen im Durchschnitt 81 Gramm verzehrten – mehr als das Doppelte. Diese Diskrepanz zieht sich durch nahezu alle Produktkategorien. Bei süßem Mais sieht es ähnlich aus: Während auf der Verpackung von 60 oder 80 Gramm die Rede ist, landet bei einem typischen Mittagessen eher die doppelte Menge auf dem Teller. Manche Eltern servieren ihren Kindern gleich eine ganze kleine Dose mit 200 Gramm oder mehr.

Was harmlos klingt, hat ernsthafte Konsequenzen. Wenn die Nährwerttabelle 4 Gramm Zucker pro Portion ausweist, ein Kind aber die dreifache Menge isst, summiert sich der Zuckergehalt auf 12 Gramm – nur aus dieser einen Beilage. Die Verbraucherzentrale dokumentierte beim Müsli, dass statt der deklarierten 14 Gramm Zucker pro Portion tatsächlich 28 Gramm verzehrt wurden. Dasselbe Muster zeigt sich beim Salzgehalt, der gerade bei Kindern kritisch ist und langfristig zu Bluthochdruck führen kann.

Eine wissenschaftlich belegte Strategie der Hersteller

Forscher der Universität Göttingen haben das Kaufverhalten in über 1.500 britischen Supermärkten über zwei Jahre analysiert. Ihre Erkenntnis ist beunruhigend: Produkte mit kleineren Portionsangaben werden verstärkt gekauft, und diese Strategie wird besonders häufig bei ungesünderen Lebensmitteln angewendet. Hersteller wissen genau, wie Verbraucher reagieren. Kleine Zahlen wirken beruhigend und erzeugen ein falsches Sicherheitsgefühl. Niemand möchte seinem Kind bewusst zu viel Zucker oder Salz geben, doch die minimierten Nährwertangaben suggerieren Kontrolle, wo keine ist.

Die Forschung zeigt deutlich: Kleinere Portionsangaben führen Verbraucher systematisch in die Irre und stellen eine reale Gefahr für gesunde Ernährungsgewohnheiten dar. Eltern glauben, eine vernünftige Wahl zu treffen, während sie unbewusst die empfohlenen Tagesmengen an Zucker und Natrium für ihre Kinder überschreiten. Diese psychologische Dimension macht die Täuschung so effektiv und gleichzeitig so gefährlich.

Das Chaos bei den Portionsangaben

Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg offenbarte bei über 200 geprüften Lebensmitteln massive Inkonsistenzen. Es gibt praktisch keine Einheitlichkeit: Eine 500-Milliliter-Flasche Cola deklariert 250 Milliliter als Portion. Bei einer Gummischlange muss man das Produkt in verschiedene Teile teilen, um auf die angegebene Portion zu kommen. Besonders absurd wird es bei einem 52-Gramm-Schokoriegel mit einer Portionsgröße von nur 30 Gramm oder bei Müsli mit unrealistischen 30 Gramm pro Portion.

Bei Schokocreme, die zu etwa 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, führt eine unrealistisch kleine Portionsgröße von nur 15 Gramm dazu, dass das Produkt bei Ampelkennzeichnungssystemen grün angezeigt wird. Ein klassisches Beispiel für irreführende Kennzeichnung, die wissenschaftlich als problematisch eingestuft wird. Achten Sie auf Tricks bei der Portionsgröße, denn diese Strategie durchzieht die gesamte Lebensmittelindustrie.

Warum gerade Mais unterschätzt wird

Süßer Mais genießt den Ruf eines gesunden Gemüses. Diese positive Wahrnehmung nutzen Hersteller gezielt aus. Was viele nicht wissen: Bereits der natürliche Zuckergehalt von Mais ist nicht unerheblich. Bei konservierten Varianten kommen häufig zusätzlicher Zucker und Salz hinzu, die als Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel dienen. Das Problem verschärft sich durch die unrealistischen Portionsangaben dramatisch.

Während der Zucker im Vordergrund steht, gerät der Salzgehalt oft in den Hintergrund. Dabei ist gerade die Natriumaufnahme bei Kindern kritisch. Was auf dem Etikett mit 0,3 Gramm Salz pro Portion angegeben ist, wird schnell zu einem Gramm oder mehr bei der tatsächlich verzehrten Menge. Bei Chips dokumentierte die Verbraucherzentrale, dass aus 9,9 Gramm Fett pro deklarierter Portion tatsächlich 20,8 Gramm wurden – ein ähnliches Muster zeigt sich beim Salzgehalt. Über den Tag verteilt addiert sich dies zu Werten, die Gesundheitsempfehlungen deutlich überschreiten.

So behalten Sie den Durchblick

Der Schlüssel liegt darin, Nährwertangaben kritisch zu hinterfragen und selbst zu rechnen. Beziehen Sie sich konsequent auf die Nährwerte pro 100 Gramm, die seit Dezember 2016 verpflichtend angegeben werden müssen. Diese standardisierte Angabe ermöglicht einen realistischen Vergleich zwischen Produkten und lässt sich nicht manipulieren. Wenn Ihr Kind 150 Gramm isst, multiplizieren Sie die Werte pro 100 Gramm einfach mit 1,5.

  • Prüfen Sie die angegebene Portionsgröße und vergleichen Sie diese mit der Menge, die tatsächlich auf dem Teller landet
  • Vergleichen Sie verschiedene Produkte konsequent anhand der 100-Gramm-Angaben, nicht anhand der oft willkürlichen Portionsgrößen
  • Achten Sie auf Produktvarianten ohne Zuckerzusatz und mit reduziertem Salzgehalt, die zunehmend verfügbar sind
  • Nutzen Sie digitale Hilfsmittel wie Apps zur Nährwertanalyse, die Produkte per Barcode-Scan erkennen und realistische Bewertungen anzeigen

Praktische Alternativen im Alltag

Frischer oder tiefgekühlter Mais ohne Zusätze stellt eine deutlich bessere Alternative zu Konserven dar. Der natürliche Zuckergehalt bleibt zwar bestehen, aber künstliche Zusätze entfallen weitgehend. Beim Kauf von Konserven lohnt sich ein genauer Blick auf die Zutatenliste. Produkte, bei denen lediglich Wasser als zusätzliche Zutat aufgeführt ist, sind grundsätzlich vorzuziehen. Das Abtropfen und Abspülen von Dosengemüse kann zudem helfen, einen Teil des zugesetzten Salzes und Zuckers zu reduzieren.

Die Portionsgröße bewusst zu kontrollieren ist ein weiterer wichtiger Schritt. Statt die gesamte Dose zu servieren, kann eine abgemessene Menge helfen, den Überblick zu behalten. Dies schärft auch bei Kindern das Bewusstsein für angemessene Portionen und prägt ihre Geschmackswahrnehmung langfristig positiv.

Was Verbraucherschützer fordern

Die Verbraucherzentralen fordern seit langem standardisierte und realistische Portionsangaben. Konkret verlangen sie Portionsangaben von 100 Gramm oder realistische Größen wie eine Scheibe Käse oder ein Stück Wurst, um echte Transparenz zu schaffen. Die Universität Göttingen schließt sich dieser Forderung an und verlangt zusätzlich, dass die Unterschiede zwischen gesetzlich vorgeschriebenen und freiwilligen Nährwertangaben deutlicher hervorgehoben werden.

Einige Fachleute schlagen vor, dass bei Lebensmitteln für Kinder die Nährwertangaben prominent nicht nur pro 100 Gramm, sondern auch pro realistischer Kinderportion ausgewiesen werden sollten. Dies würde Transparenz schaffen und Eltern eine echte Entscheidungsgrundlage bieten. Bis solche Regelungen greifen, liegt die Verantwortung beim informierten Verbraucher.

Langfristige Folgen für die Kindergesundheit

Die scheinbar harmlosen zusätzlichen Gramm Zucker und Salz summieren sich über Wochen, Monate und Jahre. Kinder entwickeln bereits früh Geschmackspräferenzen, die sie ein Leben lang begleiten. Ein kontinuierlich zu hoher Konsum prägt die Geschmackswahrnehmung und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch im Erwachsenenalter zu süßen und salzigen Lebensmitteln gegriffen wird. Die gesundheitlichen Konsequenzen reichen von Übergewicht über Karies bis hin zu metabolischen Störungen und kardiovaskulären Risiken im späteren Leben.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig: Hersteller verwenden gezielt kleinere Portionsgrößen, um ihre Produkte gesünder aussehen zu lassen. Diese Strategie funktioniert, weil sie das natürliche Vertrauen der Verbraucher in Produktkennzeichnungen ausnutzt. Wer die tatsächlich verzehrten Mengen mit den deklarierten Portionen vergleicht, erkennt schnell die Diskrepanz – beim Müsli sind es über 100 Prozent mehr, bei Chips mehr als das Doppelte. Was auf dem Etikett als harmlose Portion dargestellt wird, trägt zu einem größeren gesellschaftlichen Gesundheitsproblem bei.

Die Auseinandersetzung mit irreführenden Portionsgrößen mag zunächst aufwendig erscheinen. Doch die Investition einiger Minuten beim Einkauf zahlt sich langfristig aus. Wer einmal verinnerlicht hat, kritisch auf Nährwerttabellen zu schauen und die Angaben zu hinterfragen, trifft automatisch bessere Entscheidungen. Lassen Sie sich nicht von scheinbar niedrigen Werten auf der Verpackung täuschen. Die tatsächliche Nährstoffaufnahme hängt nicht von der Wunschvorstellung der Hersteller ab, sondern von dem, was wirklich auf dem Teller landet. Nur wer die Spielregeln kennt und sich konsequent an den verpflichtenden 100-Gramm-Angaben orientiert, kann fundierte Entscheidungen für sich und seine Familie treffen.

Wie viel Dosenmais isst dein Kind wirklich pro Mahlzeit?
60 bis 80 Gramm wie angegeben
100 bis 150 Gramm realistisch
Eine ganze kleine Dose
Ich habe nie nachgemessen
Wir vermeiden Dosenmais komplett

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