Warum Gesichtserkennung bei Facebook problematisch war
Biometrische Daten unterscheiden sich fundamental von anderen personenbezogenen Informationen. Während ihr Passwörter ändern oder E-Mail-Adressen wechseln könnt, bleibt euer Gesicht unverändert. Facebook erstellte aus hochgeladenen Fotos eine Art digitalen Fingerabdruck eures Gesichts – einen sogenannten Hashwert oder ein Gesichtstemplate, das nahezu einzigartig ist und sich mit der Zeit nur wenig bis gar nicht verändert.
Die Risiken reichten von unerwünschten Markierungen über potenzielle Datenlecks bis hin zur Verwendung dieser Daten für gezielte Werbung oder andere Zwecke. Die fehlende ausdrückliche Einwilligung der Nutzer sowie mangelhafte Aufklärung über Folgen und Risiken führten bereits 2012 zu massiver Kritik. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte erließ eine Verwaltungsanordnung, die Facebook zur datenschutzkonformen Umsetzung der Technologie verpflichtete. Daraufhin zog das Unternehmen die automatische Gesichtserkennung in ganz Europa zurück.
Der aktuelle Stand der Gesichtserkennung bei Meta
Nach jahrelanger Kritik von Datenschützern hat Meta die Gesichtserkennung komplett abgeschafft. Dabei sollten die Datensätze von mehr als einer Milliarde Menschen gelöscht worden sein. Dennoch solltet ihr eure Einstellungen überprüfen, denn die Abschaltung erfolgte nicht überall gleichmäßig, und bestimmte Funktionen können regional unterschiedlich implementiert sein.
In der EU gelten durch die DSGVO strengere Regeln als in anderen Regionen. Europäische Länder haben ein anderes Verhältnis zu Persönlichkeitsrechten und dem Umgang mit personenbezogenen Daten. In Deutschland sind biometrische Daten datenschutzrechtlich besonders streng geschützt, und wer sie verarbeiten möchte, muss besondere Vorgaben beachten. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick in die Privatsphäre-Einstellungen, um sicherzustellen, dass keine Restfunktionen aktiv sind.
So überprüft ihr eure Einstellungen zur Gesichtserkennung
Zugang zu den Privatsphäre-Einstellungen
Öffnet Facebook entweder im Browser oder in der mobilen App. Klickt oben rechts auf euer Profilbild oder das Menü-Symbol. Navigiert zu den Privatsphäre-Einstellungen und wählt anschließend die entsprechenden Einstellungsoptionen aus.
Gesichtserkennungseinstellungen finden
Sucht in den Einstellungen nach dem Punkt Privatsphäre oder nutzt die Suchfunktion mit Begriffen wie Gesichtserkennung oder Markierung. Abhängig von eurer Region und der Facebook-Version können die Menüpunkte leicht variieren.
Wenn die Funktion in eurem Konto verfügbar war, solltet ihr hier überprüfen, ob sie deaktiviert ist. In einigen Fällen wird euch angezeigt, dass die Funktion bereits eingestellt wurde – das solltet ihr jedoch selbst verifizieren. Früher musste man bei der Option Freunden Fotos von mir vorschlagen die Einstellung von aktiviert auf gesperrt wechseln.
Markierungseinstellungen anpassen
Unabhängig von der Gesichtserkennung solltet ihr die Markierungsoptionen überprüfen. Sucht in den Einstellungen nach Profil und Markierung oder Chronik und Markierungseinstellungen. Hier könnt ihr festlegen, wer euch in Beiträgen markieren darf, ob Markierungen vor der Veröffentlichung auf eurer Chronik überprüft werden müssen, wer Beiträge sehen kann, in denen ihr markiert wurdet, und wer Markierungsvorschläge sehen kann, wenn ihr auf Fotos erkannt werdet.
Die Überprüfungsfunktion für Markierungen zu aktivieren ist empfehlenswert. So habt ihr die Kontrolle darüber, welche Inhalte mit eurem Profil verknüpft werden, bevor sie öffentlich sichtbar sind.
Zusätzliche Schutzmaßnahmen für eure Fotos
Fotodownload-Schutz aktivieren
Facebook bietet eine Funktion, die es anderen erschwert, eure Profilbilder herunterzuladen oder zu teilen. Geht dazu auf euer Profil, klickt auf euer Profilbild und wählt Profilschutz aktivieren aus, falls verfügbar. Diese Funktion hindert Nutzer daran, Screenshots anzufertigen oder Bilder zu speichern – zumindest innerhalb der Facebook-Umgebung.

Sichtbarkeit alter Beiträge einschränken
In den Privatsphäre-Einstellungen findet ihr unter Deine Facebook-Informationen die Option Privatsphäre bei alten Beiträgen einschränken. Mit einem Klick könnt ihr sämtliche öffentlichen Beiträge aus der Vergangenheit auf Freunde umstellen. Das reduziert die Anzahl der Fotos, die für Fremde sichtbar sind, erheblich.
Überprüft externe Apps und Dienste
Verschiedene Apps von Drittanbietern können Zugriff auf euer Facebook-Profil haben. Unter Apps und Websites in den Einstellungen seht ihr, welche Anwendungen Zugriff haben. Entfernt alle Dienste, die ihr nicht mehr nutzt oder denen ihr nicht vertraut.
Was passiert mit bereits gespeicherten Gesichtsvorlagen?
Meta hat angekündigt, Gesichtserkennungsvorlagen zu löschen, nachdem die Funktion deaktiviert wurde. Dennoch bleibt eine gewisse Unsicherheit, da Unternehmen ihre Richtlinien ändern können und technische Löschprozesse nicht immer transparent sind.
Leider gibt es keine Möglichkeit für euch als Nutzer, direkt zu überprüfen, ob biometrische Vorlagen tatsächlich gelöscht wurden. Was ihr tun könnt: Fordert über die DSGVO-Regelungen eine Auskunft über die gespeicherten Daten an. In den Facebook-Einstellungen unter Deine Facebook-Informationen könnt ihr eine Kopie eurer Daten herunterladen. Diese Funktion gewährt Einblick in gespeicherte Informationen, wobei biometrische Vorlagen allerdings möglicherweise nicht im Klartext einsehbar sind.
Alternative Strategien für mehr Privatsphäre
Neben der Überprüfung der Gesichtserkennungseinstellungen solltet ihr einen ganzheitlichen Ansatz für eure Privatsphäre auf Facebook verfolgen. Reduziert die Anzahl öffentlicher Fotos und überlegt genau, welche Bilder ihr teilt und mit wem. Nutzt benutzerdefinierte Zielgruppen statt Öffentlich. Erstellt Listen für verschiedene Kontaktgruppen wie Familie, enge Freunde oder Kollegen und passt die Sichtbarkeit jedes Beitrags individuell an.
Aktiviert außerdem die Zwei-Faktor-Authentifizierung, um euer Konto zusätzlich vor unbefugtem Zugriff zu schützen, denn Privatsphäre-Einstellungen nützen wenig, wenn jemand Zugang zu eurem Account erhält. Überprüft regelmäßig aktive Sitzungen in den Sicherheitseinstellungen, wo ihr sehen könnt, wo euer Konto derzeit angemeldet ist. Meldet unbekannte Geräte ab.
Warum kontinuierliche Wachsamkeit wichtig bleibt
Datenschutz auf Social-Media-Plattformen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Facebook aktualisiert regelmäßig seine Funktionen und Richtlinien, was bedeuten kann, dass neue Optionen hinzukommen oder bestehende Einstellungen zurückgesetzt werden.
Richtet euch eine halbjährliche Erinnerung ein, um eure Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen. Das mag umständlich klingen, ist aber die einzige verlässliche Methode, um langfristig die Kontrolle über eure Daten zu behalten. Bei größeren Updates oder Änderungen der Nutzungsbedingungen solltet ihr besonders aufmerksam sein.
Die bewusste Auseinandersetzung mit Datenschutzoptionen macht den Unterschied zwischen passiver Datenpreisgabe und aktivem Schutz eurer digitalen Identität. Biometrische Daten wie Gesichtsvorlagen sind dabei besonders schützenswert, da sie euch ein Leben lang begleiten und nicht wie Passwörter einfach geändert werden können. Die wenigen Minuten, die ihr in die Anpassung eurer Einstellungen investiert, zahlen sich durch ein deutlich höheres Maß an Privatsphäre und Kontrolle aus.
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