Gratis-Internet am Flughafen kann dich Tausende Euro kosten, wenn du diesen Fehler machst

Wer kennt es nicht: Man sitzt im Café, wartet am Flughafen oder entspannt im Hotel – und nutzt schnell das kostenlose WLAN, um noch ein paar Überweisungen zu tätigen oder sich irgendwo einzuloggen. Praktisch, oder? Leider ist genau dieses Verhalten einer der gefährlichsten Fehler, den iPhone-Nutzer im Alltag machen können. Öffentliche WLAN-Netzwerke ohne zusätzlichen Schutz zu verwenden, während man sensible Daten eingibt, gleicht dem Verlassen des Hauses mit weit geöffneter Tür und einem Schild „Bedient euch!“.

Warum öffentliche WLANs so gefährlich sind

Die Verlockung ist groß: Gratis-Internet, keine Belastung des Datenvolumens, schneller Zugang. Doch hinter der Bequemlichkeit lauert eine erhebliche Gefahr. Viele öffentliche WLAN-Hotspots sind unverschlüsselt oder setzen auf veraltete Sicherheitsprotokolle, die sich kinderleicht knacken lassen. Das bedeutet: Jeder, der sich im selben Netzwerk befindet, kann theoretisch den Datenverkehr mitlesen – und das geschieht häufiger, als die meisten denken.

Besonders perfide sind sogenannte Man-in-the-Middle-Angriffe. Hierbei positioniert sich ein Angreifer zwischen eurem iPhone und dem Router, fängt sämtliche Datenpakete ab und kann diese in Echtzeit auslesen. Auf diese Weise hat der Hacker Zugriff auf alle Informationen, die ihr über das Internet übermittelt: vertrauliche E-Mails, Kreditkartendaten oder die Zugangsdaten für Unternehmens-Netzwerke. Banking-Zugangsdaten, Passwörter, Kreditkarteninformationen – Cyberkriminelle könnten problemlos all diese sensiblen Informationen abfangen.

Noch schlimmer wird es bei sogenannten Fake-Hotspots: Cyberkriminelle richten eigene Netzwerke mit vertrauenswürdig klingenden Namen wie „Starbucks_Free_WiFi“ oder „Hotel_Guest“ ein, und ahnungslose Nutzer verbinden sich direkt mit dem Rechner des Angreifers. Diese gefälschten Hotspots, die manchmal auch als „böse Zwillinge“ bezeichnet werden, imitieren die Namen von legitimen Netzwerken und verleiten Reisende dazu, sich mit ihnen zu verbinden.

Hacker können auch Malware über die Verbindung verbreiten, indem sie beispielsweise eine „erforderliche“ App oder ein Plugin für den Zugang zum WLAN anbieten. Findigen Hackern gelingt es sogar, den Zugriffspunkt selbst zu infiltrieren und während des Verbindungsaufbaus ein Popup-Fenster anzuzeigen, in dem euch ein Upgrade für eine beliebte Software angeboten wird.

Banking-Apps sind nicht automatisch sicher

Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: „Meine Banking-App ist doch verschlüsselt, da kann nichts passieren.“ Tatsächlich setzen die meisten Finanzinstitute auf moderne Verschlüsselungstechnologien und Mehr-Faktor-Authentifizierung. Dennoch gibt es Schwachstellen, die ausgenutzt werden können. Nicht alle Apps sind perfekt programmiert. Zertifikatsfehler werden manchmal ignoriert, veraltete Verschlüsselungsprotokolle eingesetzt. Selbst wenn die App selbst sicher ist – beim Login-Prozess oder bei der Eingabe von TANs können Schwachstellen ausgenutzt werden, wenn das Netzwerk kompromittiert ist.

Passwort-Manager und öffentliches WLAN: Eine riskante Kombination

Passwort-Manager sind prinzipiell eine hervorragende Sache – sie generieren sichere Passwörter und speichern diese verschlüsselt. Doch wenn ihr in einem ungesicherten Netzwerk auf euren Passwort-Manager zugreift, setzt ihr unter Umständen genau die Sicherheit aufs Spiel, die ihr eigentlich schützen wolltet. Zwar sind die gespeicherten Passwörter lokal verschlüsselt, aber der Synchronisationsprozess oder das Master-Passwort selbst könnten abgefangen werden.

Besonders kritisch wird es, wenn ihr Passwörter für wichtige Dienste wie E-Mail-Accounts, Social-Media-Konten oder gar Unternehmens-Zugänge abruft. Einmal kompromittiert, kann ein Angreifer Zugang zu eurem gesamten digitalen Leben erlangen. Die Domino-Effekte sind verheerend: Vom gehackten E-Mail-Account aus lassen sich Password-Reset-Links für andere Dienste anfordern, Social-Media-Profile übernehmen und sensible Informationen stehlen.

So schützt ihr euch effektiv

Die gute Nachricht: Mit einigen einfachen Maßnahmen könnt ihr euer iPhone und eure Daten effektiv schützen, auch wenn ihr unterwegs seid.

VPN ist Pflicht, nicht optional

Ein Virtual Private Network verschlüsselt euren gesamten Datenverkehr in einem sicheren Tunnel, bevor er das öffentliche Netzwerk erreicht. Selbst wenn jemand eure Datenpakete abfängt, sieht er nur unlesbaren Kryptografie-Salat. Für iPhone-Nutzer gibt es zahlreiche vertrauenswürdige VPN-Anbieter mit nativer iOS-Integration – wichtig ist, dass ihr einen seriösen Dienst mit No-Log-Policy wählt. Kostenlose VPNs solltet ihr meiden, da diese oft selbst eure Daten sammeln und verkaufen.

Die Einrichtung dauert keine fünf Minuten: App herunterladen, anmelden, VPN aktivieren. Moderne VPN-Apps verbinden sich automatisch, sobald ihr ein öffentliches WLAN nutzt. Diese Investierung – meist zwischen drei und zehn Euro monatlich – ist jeden Cent wert.

Mobilfunkdaten für sensible Vorgänge nutzen

Die sicherste Alternative zum öffentlichen WLAN ist schlicht: gar nicht erst verbinden. Mobilfunkverbindungen über LTE oder 5G sind deutlich schwerer abzuhören als WLAN-Netzwerke. Für Banking-Transaktionen oder das Ändern wichtiger Passwörter solltet ihr grundsätzlich auf eure mobilen Daten zurückgreifen. Ja, das kostet Datenvolumen – aber Sicherheit hat ihren Preis, und dieser ist vergleichsweise gering.

Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren

Selbst wenn Angreifer eure Zugangsdaten abfangen sollten, macht eine aktivierte Zwei-Faktor-Authentifizierung den Zugang deutlich schwieriger. Nutzt dabei bevorzugt Authenticator-Apps statt SMS-basierte Codes, da auch SMS abgefangen werden können. Apples eigener iCloud-Schlüsselbund bietet mittlerweile integrierte 2FA-Funktionen, die sich nahtlos in iOS einfügen.

Netzwerkverbindungen kontrollieren

iOS bietet unter Einstellungen die Möglichkeit, das automatische Verbinden mit bekannten Netzwerken zu deaktivieren. Aktiviert außerdem die Funktion „Auto-Join deaktivieren“ für öffentliche Hotspots, die ihr einmal genutzt habt. So verhindert ihr, dass euer iPhone sich unbemerkt mit unsicheren Netzwerken verbindet.

Welche Aktivitäten sind noch vertretbar?

Nicht jede Nutzung öffentlicher WLANs ist gleich gefährlich. Einfaches Surfen auf verschlüsselten Webseiten, erkennbar am Schloss-Symbol und „https“ in der Adresszeile, das Lesen von Nachrichten oder das Streamen von Musik stellen ein überschaubares Risiko dar. Für alle nicht sensiblen Aktivitäten könnt ihr ein öffentliches WLAN in der Regel unbesorgt nutzen. Auch verschlüsselte Messenger wie Signal oder WhatsApp sind relativ sicher, da die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auch bei kompromittiertem Netzwerk funktioniert.

Kritisch wird es bei allem, was Authentifizierung erfordert: Login-Vorgänge, Online-Shopping mit Zahlungsdaten, Zugriff auf Cloud-Speicher mit sensiblen Dokumenten oder berufliche E-Mails. Hier gilt die Faustregel: Wenn ihr die Daten nicht auf eine Postkarte schreiben würdet, solltet ihr sie auch nicht ungeschützt über öffentliches WLAN schicken.

Das unterschätzte Risiko von Session-Hijacking

Selbst wenn ihr euch nicht aktiv einloggt, können bereits bestehende Sessions gekapert werden. Die Session-Cookies, die euer iPhone speichert, um euch dauerhaft angemeldet zu halten, können abgefangen und missbraucht werden. Ein Angreifer übernimmt dann eure bestehende Sitzung, ohne jemals euer Passwort zu benötigen. Dagegen hilft: Regelmäßiges Ausloggen aus sensiblen Diensten und das Löschen von Cookies nach der Nutzung öffentlicher Netzwerke.

Die Bequemlichkeit öffentlicher WLAN-Netzwerke sollte niemals über der digitalen Sicherheit stehen. Mit einem aktiven VPN, bewusstem Verhalten und dem gezielten Einsatz von Mobilfunkdaten für sensible Vorgänge macht ihr euer iPhone zu einer deutlich härteren Nuss für potenzielle Angreifer. Der kleine Aufwand zahlt sich aus – denn einmal kompromittierte Zugangsdaten wiederherzustellen und den angerichteten Schaden zu begrenzen, ist um ein Vielfaches aufwendiger als präventiver Schutz.

Nutzt du öffentliches WLAN für Banking oder sensible Logins?
Ja regelmäßig ohne Bedenken
Ja aber nur mit VPN
Manchmal in Notfällen
Nein nur mobiles Internet
Wusste nicht dass es gefährlich ist

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