Kinderärzte warnen: Dieser Vollkorn-Trick im Supermarkt schadet mehr als er nützt

Vollkornpasta gilt als gesunde Alternative zu herkömmlichen Nudeln – besonders wenn es um die Ernährung von Kindern geht. Eltern greifen bewusst zu diesen Produkten in der Hoffnung, ihren Kindern eine nährstoffreiche Mahlzeit zu bieten. Doch ein genauer Blick auf die Nährwerttabelle offenbart oft eine unangenehme Überraschung: versteckte Zuckerzusätze, die in einem vermeintlich vollwertigen Produkt nichts zu suchen haben.

Warum Vollkornpasta für Kinder speziell unter die Lupe genommen werden sollte

Produkte, die sich explizit an Kinder richten, werden häufig mit bunten Verpackungen und gesundheitsbezogenen Versprechen beworben. Die Zutatenliste wirkt auf den ersten Blick unbedenklich: Vollkornmehl, vielleicht noch Gemüsepulver für die Farbe. Doch zwischen diesen harmlos klingenden Bestandteilen verstecken sich oft Zutaten, die den Zuckergehalt erheblich in die Höhe treiben.

Das Problem beginnt bereits bei der Deklaration. Zucker taucht nicht immer auf der Verpackung unter diesem Begriff auf. Stattdessen finden sich Bezeichnungen wie Maltodextrin, Gerstenmalzextrakt, Glucosesirup oder Dextrose. All diese Substanzen sind Zucker in unterschiedlichen Formen – und sie alle wirken sich auf den Blutzuckerspiegel von Kindern aus.

Die Tricks der Nährwerttabelle entschlüsseln

Eine Nährwerttabelle zeigt Kohlenhydrate standardmäßig pro 100 Gramm sowie die Menge „davon Zucker“. Bei reiner Vollkornpasta ohne Zusätze sollte dieser Zuckerwert minimal sein – meist liegt er zwischen 3 und 4 Gramm pro 100 Gramm, was dem natürlichen Zuckergehalt des Getreides entspricht. Sobald dieser Wert jedoch deutlich über 5 Gramm beträgt, ist Vorsicht geboten.

Besonders perfide wird es, wenn Hersteller die Nährwertangaben pro Portion und nicht pro 100 Gramm angeben. Eine „Kinderportion“ wird dann mit 50 oder 60 Gramm kalkuliert, wodurch die absoluten Zuckerwerte kleiner erscheinen. Rechnet man diese Angaben auf eine realistische Portionsgröße um, zeigt sich oft ein deutlich höherer Zuckerkonsum als erwartet.

Versteckte Zucker in der Zutatenliste erkennen

Die Zutatenliste ist gesetzlich nach Gewicht geordnet. Je weiter vorne eine Zutat steht, desto mehr ist davon enthalten. Bei Kinderpasta sollte idealerweise nur Vollkornmehl und Wasser aufgeführt sein. Erscheinen jedoch mehrere verschiedene Zuckerarten in der Liste, summiert sich deren Menge zu einem beachtlichen Anteil. Maltodextrin wird häufig als Energiespender dargestellt, ist aber nichts anderes als schnell verfügbarer Zucker. Gerstenmalzextrakt klingt natürlich, treibt aber den Zuckergehalt nach oben. Invertzuckersirup ist eine Zuckerart, die besonders süß schmeckt, während Traubensüße oder Apfelsüße gesund klingen, aber konzentrierte Fruchtzucker darstellen. Reissirup ist ebenfalls ein Süßungsmittel mit hohem glykämischen Index.

Warum werden Kinderprodukten überhaupt Zucker zugesetzt?

Die Antwort ist so simpel wie ernüchternd: Geschmack. Vollkornprodukte haben einen kräftigeren, nussigeren Geschmack als Weißmehlprodukte, den viele Kinder zunächst ablehnen. Um die Akzeptanz zu erhöhen, setzen Hersteller auf Süße. Ein weiterer Grund liegt in der Textur: Zucker bindet Feuchtigkeit und sorgt dafür, dass die Pasta beim Kochen eine weichere Konsistenz erhält.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist diese Praxis jedoch fragwürdig. Kinder entwickeln durch regelmäßigen Zuckerkonsum eine Präferenz für süße Lebensmittel, was langfristig zu ungünstigen Essgewohnheiten führen kann. Zudem werden die Vorteile der Vollkornpasta – langsame Kohlenhydratfreisetzung und stabiler Blutzuckerspiegel – durch zugesetzte Schnellzucker zunichte gemacht.

Konkrete Auswirkungen auf die Kindergesundheit

Ein erhöhter Zuckerkonsum in der Kindheit korreliert mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken. Übergewicht und Karies sind nur die offensichtlichsten Folgen. Weniger bekannt ist der Einfluss auf das Verhalten: Schnell verfügbare Zucker führen zu raschen Blutzuckerspitzen, gefolgt von ebenso schnellen Abfällen. Diese Schwankungen können sich in Konzentrationsschwierigkeiten, Unruhe und Stimmungsschwankungen äußern.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass Kinder maximal 10 Prozent ihrer täglichen Energiezufuhr aus freiem Zucker beziehen sollten – idealerweise sogar nur 5 Prozent. Bei einem Energiebedarf von etwa 1600 Kilokalorien entspricht das maximal 40 Gramm Zucker pro Tag. Ein Teller Pasta mit versteckten Zuckerzusätzen kann bereits 8 bis 12 Gramm beisteuern – ohne Soße, ohne Dessert.

Worauf Eltern beim Einkauf achten sollten

Der bewusste Einkauf beginnt mit dem kritischen Lesen von Etiketten. Selbst bei Bioprodukten oder solchen mit Gesundheitsversprechen ist eine genaue Prüfung unerlässlich. Eine kurze Zutatenliste ist meist ein gutes Zeichen. Idealerweise enthält Vollkornpasta nur Vollkornmehl und Wasser, eventuell noch Ei. Alles darüber hinaus sollte kritisch hinterfragt werden. Wenn die Liste länger als fünf Zutaten umfasst, ist besondere Aufmerksamkeit gefordert.

Nehmen Sie sich die Zeit, verschiedene Produkte direkt nebeneinander zu vergleichen. Achten Sie dabei auf einheitliche Bezugsgrößen – am besten immer pro 100 Gramm. Bei reiner Vollkornpasta ist ein Zuckergehalt von bis zu 4 Gramm pro 100 Gramm normal. Erst ab etwa 5 Gramm sollte eine Zugabe hinterfragt werden. Produkte mit Comicfiguren, bunten Formen oder kindgerechter Aufmachung sind häufiger mit Zusätzen versehen als schlicht verpackte Varianten.

Alternative Ansätze für die Kinderernährung

Statt auf speziell beworbene Kinderprodukte zu setzen, empfiehlt sich der Griff zu regulärer Vollkornpasta ohne besondere Auslobung. Die anfängliche Skepsis von Kindern gegenüber dem intensiveren Geschmack lässt sich durch schrittweise Gewöhnung überwinden. Mischen Sie zunächst herkömmliche Pasta mit Vollkornpasta im Verhältnis 50:50 und steigern Sie den Vollkornanteil langsam.

Geschmackliche Akzeptanz entsteht auch durch kreative Soßen und Beilagen. Eine vollwertige Tomatensoße mit verstecktem Gemüse, eine Käsesoße auf Basis von Blumenkohl oder eine leichte Öl-Kräuter-Mischung können die Mahlzeit schmackhaft machen, ohne dass Zucker in der Pasta selbst nötig ist. Kinder gewöhnen sich überraschend schnell an natürliche Geschmäcker, wenn diese nicht ständig durch zugesetzte Süße überlagert werden.

Rechtliche Grauzone und fehlende Regulierung

Obwohl die Nährwertkennzeichnung in der EU streng geregelt ist, bestehen Lücken bei der Produktbewerbung. Begriffe wie „Vollkorn“, „für Kinder“ oder „mit Gemüse“ sind nicht geschützt und geben keine Garantie für ein tatsächlich gesundes Produkt. Solange ein Mindestanteil an Vollkorn enthalten ist, darf das Produkt entsprechend beworben werden – selbst wenn weitere problematische Zutaten beigefügt sind.

Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine klarere Kennzeichnung, besonders bei Kinderprodukten. Einige Länder experimentieren mit farbcodierten Ampelsystemen, die auf einen Blick zeigen, ob ein Produkt gesundheitlich empfehlenswert ist. In Deutschland fehlt eine solche verbindliche Regelung noch. Eltern bleibt bis dahin nur die Eigenverantwortung und die kritische Auseinandersetzung mit Produktinformationen. Die Zeit, die in das Lesen von Etiketten investiert wird, zahlt sich durch eine bewusstere Ernährung und langfristig gesündere Essgewohnheiten der Kinder aus.

Prüfst du bei Kinderpasta die versteckten Zuckerzusätze?
Immer ganz genau
Manchmal wenn ich Zeit habe
Selten bis nie
Wusste nicht dass da Zucker drin ist
Kaufe nur noch normale Vollkornpasta

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