Millionen Haushalte machen diesen einen Gieß-Fehler: Darum fault Ihre Sansevieria heimlich im Topf

Ein Topf mit Sansevieria, auch bekannt als Bogenhanf, steht in Millionen Haushalten – schlanke Blätter, geometrisch, pflegeleicht. Im Marketing hat diese Pflanze fast mythischen Status erlangt. Doch wer sie länger pflegt, weiß: Der Bogenhanf kann selbst zum Ursprung eines unangenehmen muffigen Geruchs werden, der nichts mit Frische zu tun hat. Wenn sich der Duft von feuchter Erde oder gar Fäulnis ausbreitet, steht man vor einem Paradox – ausgerechnet die Pflanze, die für bessere Raumluft sorgen soll, wird zum Störfaktor.

Die Realität ist komplexer als die Werbeversprechen. Das Problem liegt nicht an der Pflanze selbst, sondern an einer Störung im Gleichgewicht von Wasser, Luft und Mikroorganismen im Wurzelbereich. Dieser Artikel beleuchtet die biologischen und chemischen Mechanismen hinter diesem Phänomen und zeigt, wie ein fundiertes Verständnis der Pflanzenpflege die Lebensqualität in Innenräumen tatsächlich verbessern kann.

Die Wurzeln eines Missverständnisses

Bevor wir zum Kern des Geruchsproblems vordringen, lohnt sich ein Blick auf die Herkunft der Sansevieria-Reputation. Diese Sukkulente stammt aus den trockenen Gebieten Westafrikas, wo sie an karge Böden und lange Trockenperioden angepasst ist. Ihre Blätter speichern Wasser wie kleine Reservoirs, ihr Wurzelwerk ist auf Effizienz getrimmt. In ihrer natürlichen Umgebung herrschen Bedingungen, die dem typischen Wohnzimmer diametral entgegengesetzt sind: intensive Sonneneinstrahlung, schnelle Verdunstung, gut durchlüftete Böden.

Die Übertragung dieser robusten Pflanze in geschlossene Räume schien zunächst eine perfekte Lösung zu sein. Pflegeleicht, anspruchslos, dekorativ – und angeblich mit luftreinigenden Eigenschaften ausgestattet. Doch genau hier beginnt das Missverständnis, das letztlich zu den Geruchsproblemen führt. Denn die Erwartungen an die Pflanze und die tatsächlichen Pflegeanforderungen klaffen oft weit auseinander.

Wenn Feuchtigkeit zur Falle wird

In einem durchschnittlichen Haushalt wird Sansevieria häufig als normale Zimmerpflanze behandelt. Regelmäßiges Gießen nach Kalender, dekorative Übertöpfe ohne Drainage, nährstoffreiche Blumenerde – all das entspricht nicht den Bedürfnissen dieser Sukkulente. Besonders problematisch wird es, wenn zu viel Feuchtigkeit im Substrat verbleibt. Was dann geschieht, ist ein mikrobiologischer Prozess, der sich zunächst unsichtbar vollzieht.

Zu viel Wasser verdrängt die Luft aus den Zwischenräumen der Erde. Sauerstoff wird knapp. Die Mikroorganismen, die normalerweise organisches Material aerob – also unter Sauerstoffverbrauch – zersetzen, sterben ab oder werden inaktiv. An ihre Stelle treten anaerobe Bakterien, die ohne Sauerstoff arbeiten können. Diese Mikroorganismen setzen bei ihrer Stoffwechselaktivität Verbindungen frei, die charakteristisch unangenehm riechen: schwefelhaltige Moleküle, Fettsäuren, Abbauprodukte, die an feuchte Keller oder stehendes Wasser erinnern.

Der Geruch ist dabei nicht nur ein ästhetisches Problem. Er ist ein deutliches Warnsignal dafür, dass im Wurzelbereich etwas fundamental aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Wurzeln selbst beginnen unter diesen Bedingungen zu leiden. Ohne ausreichend Sauerstoff können sie ihre Funktion nicht erfüllen, werden weich, verfärben sich dunkel und beginnen schließlich zu faulen. Dieser Prozess verstärkt den Geruch weiter und kann, wenn er nicht rechtzeitig gestoppt wird, zum Absterben der gesamten Pflanze führen.

Die subtilen Anzeichen erkennen

Bevor der Geruch überhaupt wahrnehmbar wird, gibt es oft bereits andere Hinweise auf die sich anbahnende Problematik. Die Blätter, normalerweise fest und aufrecht, können ihre Spannkraft verlieren. Sie fühlen sich weicher an, möglicherweise sogar leicht teigig. Manche verfärben sich an der Basis gelblich oder entwickeln braune, nasse Flecken. Diese Symptome werden häufig fehlinterpretiert – als Zeichen von Trockenheit oder Nährstoffmangel. Die intuitive Reaktion ist dann leider oft: mehr gießen. Damit verschlimmert sich das Problem exponentiell.

Auch die Erdoberfläche kann Hinweise liefern. Ein weißlicher oder grünlicher Film, der sich auf dem Substrat bildet, deutet auf Schimmel oder Algen hin – beides Indikatoren für anhaltende Feuchtigkeit. Wenn man den Topf bewegt und dabei ein intensiverer, dumpfer Erdgeruch aufsteigt, ist dies ebenfalls ein Alarmsignal. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte gehandelt werden, bevor die Situation kritisch wird.

Die Illusion der luftreinigenden Wunderpflanze

Um zu verstehen, warum Sansevieria das Geruchsproblem nicht selbst lösen kann, müssen wir einen Blick auf die wissenschaftlichen Grundlagen ihrer Reputation werfen. Der Ruf der Sansevieria als Luftreiniger geht zurück auf die NASA-Studie zur Luftreinigung aus dem Jahr 1989, die unter der Leitung von Dr. Bill Wolverton durchgeführt wurde. Diese Studie untersuchte unter kontrollierten Laborbedingungen die Fähigkeit verschiedener Zimmerpflanzen, flüchtige organische Verbindungen wie Formaldehyd, Benzol und Trichlorethylen aus der Luft zu filtern.

Die Ergebnisse waren unter diesen spezifischen Bedingungen durchaus beeindruckend. Sansevieria zeigte tatsächlich die Fähigkeit, bestimmte Schadstoffe in kleinen, abgeschlossenen Kammern zu reduzieren. Diese Befunde wurden jedoch in einem Kontext erhoben, der mit den Realitäten eines Wohnraums wenig gemein hat: kleine Volumina, keine Luftzirkulation, keine zusätzlichen Schadstoffquellen, konstante Bedingungen.

Eine Studie aus dem Jahr 2019 relativierte diese Befunde erheblich. Die Forscher berechneten, dass für einen messbaren Effekt in realen Wohnräumen zwischen zehn und tausend Pflanzen pro Quadratmeter notwendig wären – eine absurde Vorstellung für jeden praktischen Anwendungsfall. Die natürliche Luftzirkulation in Wohnungen, das Raumvolumen, wechselnde Temperaturen und die kontinuierliche Zufuhr neuer Schadstoffe machen den theoretischen Filtereffekt einzelner Pflanzen vernachlässigbar.

Was Sansevieria tatsächlich leistet

Das bedeutet nicht, dass Sansevieria völlig nutzlos für das Raumklima ist. Die Pflanze nutzt einen besonderen Photosynthese-Mechanismus, die sogenannte CAM-Photosynthese (Crassulacean Acid Metabolism). Im Gegensatz zu den meisten Pflanzen öffnet sie ihre Spaltöffnungen nachts, nimmt Kohlendioxid auf und speichert es in Form von Säuren. Tagsüber, wenn die Spaltöffnungen geschlossen sind, wird dieses CO₂ für die Photosynthese verwendet. Als Nebeneffekt gibt die Pflanze auch nachts Sauerstoff ab.

Zusätzlich trägt Sansevieria durch Transpiration – die Verdunstung von Wasser über die Blattoberflächen – zu einer leichten Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit bei. In überheizten, trockenen Räumen kann dies durchaus als angenehm empfunden werden. Diese Effekte erzeugen subjektiv ein Gefühl von frischerer Luft, ohne dass dabei tatsächlich Geruchsmoleküle entfernt würden.

Denn Geruch ist chemisch betrachtet die Wahrnehmung flüchtiger Verbindungen in der Luft. Um diese zu beseitigen, benötigt man entweder Adsorption – die Anlagerung der Moleküle an eine Oberfläche mit großer innerer Struktur – chemische Reaktionen, die die Moleküle umwandeln, oder schlicht Verdünnung durch Frischluftzufuhr. Pflanzen können keine dieser Mechanismen in relevantem Umfang leisten. Sie können Geruchsquellen nicht neutralisieren, bestenfalls durch Luftbewegung und Feuchtigkeit eine gewisse Maskierung erzeugen.

Die Chemie des Modergeruchs

Wenn der Bogenhanf selbst zum Geruchsproduzenten wird, liegt die Ursache fast ausnahmslos im Wurzelraum. Der charakteristische muffige Geruch entsteht durch die unvollständige Zersetzung organischer Substanz unter anaeroben Bedingungen. Rindenstücke, Humusanteile und abgestorbene Wurzelteile werden ohne Sauerstoff von spezialisierten Bakterien abgebaut. Dabei entstehen Verbindungen wie Schwefelwasserstoff, Methylmercaptan, kurzkettige Fettsäuren und andere flüchtige organische Säuren.

Diese Substanzen haben bereits in sehr geringen Konzentrationen einen intensiven, unangenehmen Geruch. Schwefelwasserstoff beispielsweise riecht nach faulen Eiern und ist bereits in Konzentrationen von wenigen Mikrogramm pro Kubikmeter wahrnehmbar. Methylmercaptan erinnert an Kohl oder verfaulende Vegetation. Die Kombination dieser Verbindungen erzeugt den typischen Modergeruch, der mit feuchten Kellern oder stagnierendem Wasser assoziiert wird.

Wichtig zu verstehen ist, dass nicht nur die Häufigkeit des Gießens, sondern auch die fehlende Drainage – also der Mangel an Wasserabfluss und Belüftung – diese Situation erzeugt. Selbst moderate Wassergaben führen zu Problemen, wenn das Wasser nicht abfließen kann und am Topfboden steht. Das Substrat wird von unten nach oben durchfeuchtet, Lufttaschen verschwinden, und die anaerobe Zone breitet sich aus.

Gießen als Kunst der Zurückhaltung

Der Wasserbedarf einer Sansevieria hängt von mehreren Faktoren ab, die alle miteinander interagieren: Lichtintensität, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Topfgröße. In einem hellen, warmen Raum mit niedriger Luftfeuchtigkeit verdunstet mehr Wasser über die Blätter und aus dem Substrat. In schattigen, kühlen Ecken kann die Erde wochenlang feucht bleiben. Die sukkulenten Blätter der Sansevieria erlauben eine Wasserspeicherung, die mehrere Wochen überbrücken kann.

Eine Faustregel besagt, alle zwei bis drei Wochen zu gießen, im Winter sogar seltener. Aber Faustregeln sind nur Orientierungshilfen. Der sicherste Indikator ist das Substrat selbst. Das obere Drittel – bei größeren Töpfen sogar die obere Hälfte – sollte vollständig trocken sein, bevor erneut gegossen wird. Ein einfacher Test: einen Holzstab einige Zentimeter tief in die Erde stecken. Kommt er sauber heraus, darf gegossen werden. Haftet Erde daran, ist noch genug Feuchtigkeit vorhanden.

Das Prinzip lautet dabei: Lieber einmal gründlich gießen als häufig ein bisschen. Bei gründlichem Gießen wird das gesamte Substrat durchfeuchtet, überschüssiges Wasser fließt ab, und es entsteht eine homogene Verteilung. Danach kann das Substrat vollständig abtrocknen, Luft zirkuliert wieder durch die Poren, und aerobe Mikroorganismen bleiben aktiv. Häufiges, oberflächliches Gießen hingegen hält die oberen Schichten permanent feucht, während tiefere Bereiche entweder staubtrocken oder in anaeroben Wassertaschen gefangen sind.

Drainage als unsichtbare Infrastruktur

Selbst perfektes Gießverhalten nützt wenig, wenn der Topf keine funktionierende Drainage besitzt. Die Wurzeln benötigen Luft ebenso dringend wie Wasser – sie atmen, sie nehmen Sauerstoff auf und geben Kohlendioxid ab. Ein Substrat, das permanent wassergesättigt ist, erstickt die Wurzeln langsam aber sicher. Der Untergrund sollte eine Durchlässigkeit aufweisen, wie sie für Kakteen und andere Sukkulenten empfohlen wird.

Ein hochwertiges Sansevieria-Substrat enthält einen hohen Anteil mineralischer Komponenten: Bims, Lavagranulat, Perlit oder grobkörniger Sand. Diese Materialien bilden ein stabiles Gerüst, das nicht zusammensackt, und schaffen Hohlräume für Luft und Wasserdurchfluss. Organische Bestandteile wie Torf oder Kompost sollten nur einen kleinen Teil ausmachen, da sie Wasser speichern und bei Dauerfeuchtigkeit zur Geruchsbildung beitragen.

Ein idealer Aufbau erfolgt in Schichten: Die unterste Schicht, etwa ein bis zwei Zentimeter hoch, besteht aus grobem Material wie Blähton oder Kies. Diese Drainageschicht verhindert, dass Wurzeln direkt im stehenden Wasser liegen, selbst wenn einmal zu viel gegossen wurde. Darüber kommt das eigentliche Substrat, eine durchlässige Mischung mit mineralischem Schwerpunkt. Optional kann die oberste Schicht mit einer dünnen Lage dekorativer Steine abgedeckt werden, was die Verdunstung etwas reguliert und Schimmelbildung auf der Oberfläche reduziert.

Ebenso entscheidend ist ein Topf mit Ablauflöchern. Viele Ziertöpfe verzichten aus ästhetischen Gründen darauf, zwingen aber das Wasser, sich am Boden zu sammeln. Die Lösung ist entweder, nur Töpfe mit Löchern zu verwenden, oder einen durchlässigen Innentopf in einen dekorativen Übertopf zu stellen. In letzterem Fall muss man allerdings diszipliniert nach jedem Gießen das überschüssige Wasser aus dem Übertopf entfernen – ein Schritt, der in der Routine oft vergessen wird.

Der Punkt ohne Wiederkehr: Wenn Umtopfen unvermeidbar wird

Bleibt der modrige Geruch trotz Gießpause und verbesserter Belüftung bestehen, hat sich im Wurzelraum bereits Fäulnis etabliert. An diesem Punkt ist die einzige wirkungsvolle Maßnahme das komplette Umtopfen mit gleichzeitiger Wurzelkontrolle. Dieser Eingriff ist invasiv, aber notwendig, um die Pflanze zu retten.

Der richtige Ablauf beginnt damit, die Pflanze vorsichtig aus dem Topf zu nehmen. Oft löst sich die Erde bereits von selbst, wenn sie sehr nass ist. Die alte Erde wird vollständig entfernt, am besten durch vorsichtiges Abschütteln und Abspülen unter lauwarmem Wasser. Dabei werden die Wurzeln sichtbar. Gesunde Wurzeln sind hell, fest und elastisch. Faule Wurzeln hingegen sind dunkel, weich, schleimig und zerfallen bei leichtem Druck. Manchmal lassen sie sich wie ein nasser Strohhalm zusammendrücken, wobei eine übelriechende Flüssigkeit austritt.

Alle beschädigten und faulen Wurzelteile werden mit einer sauberen, scharfen Schere oder einem Messer abgeschnitten. Es ist wichtig, bis ins gesunde Gewebe zurückzuschneiden, auch wenn das bedeutet, einen großen Teil des Wurzelsystems zu opfern. Verbleibende Fäulnisherde breiten sich sonst im neuen Substrat weiter aus. Nach dem Beschneiden sollte die Pflanze idealerweise für 24 Stunden an einem schattigen, luftigen Ort trocknen. Diese Trockenphase ermöglicht es den Schnittstellen, eine schützende Schicht zu bilden und reduziert das Infektionsrisiko.

Erst dann wird die Sansevieria in frisches, durchlässiges Substrat gesetzt. Der neue Topf sollte nicht größer sein als nötig – ein zu großes Volumen erhöht das Risiko, dass Bereiche permanent feucht bleiben, die nicht von Wurzeln durchzogen sind. Nach dem Einsetzen wird zunächst nicht gegossen. Erst nach einigen Tagen, wenn sich die Wurzeln stabilisiert haben, erfolgt eine erste, vorsichtige Wassergabe.

Aktivkohle als stiller Verbündeter

Da Sansevieria selbst keine Gerüche aktiv neutralisieren kann, lohnt sich der Einsatz von Materialien, die genau das tun. Aktivkohle ist chemisch gesehen eine hochporöse Form von Kohlenstoff mit einer enormen inneren Oberfläche. Ein Gramm Aktivkohle kann eine Oberfläche von über tausend Quadratmetern aufweisen – ein Wert, der auf den ersten Blick unglaublich erscheint, aber durch die mikroskopisch kleinen Poren zustande kommt.

Geruchsmoleküle lagern sich in diesen Poren an, ein Prozess, der als Adsorption bezeichnet wird. Dabei werden die Moleküle physikalisch an der Oberfläche gebunden, ohne dass eine chemische Reaktion stattfindet. Dieser Mechanismus ist hocheffektiv für eine Vielzahl flüchtiger organischer Verbindungen, von Schwefelverbindungen über Amine bis zu aromatischen Kohlenwasserstoffen.

Zur Geruchsbekämpfung in Innenräumen kann Aktivkohle in verschiedenen Formen eingesetzt werden:

  • Säckchen oder Beutel aus Bambuskohle funktionieren als passive Filter für kleinere Räume oder geschlossene Bereiche wie Schränke. Sie nehmen kontinuierlich Geruchsmoleküle auf und können durch Sonneneinstrahlung teilweise regeneriert werden.
  • Aktivkohlegranulat kann auch direkt ins Pflanzsubstrat gemischt werden. Dort wirkt es zweifach: Es adsorbiert Geruchsmoleküle, die aus anaeroben Zersetzungsprozessen stammen, und hemmt durch die Bindung bestimmter Stoffwechselprodukte das Wachstum geruchsbildender Bakterien. Die Menge sollte moderat sein – etwa fünf bis zehn Prozent des Substratvolumens –, um die physikalische Struktur nicht zu beeinträchtigen.

Die unterschätzte Bedeutung von Luftbewegung

Ein überraschend häufiger Grund für muffige Pflanzen ist fehlende Luftzirkulation. In modernen, gut isolierten Wohnungen verbleibt die Luft oft lange im Raum. Feuchtigkeit, die von Pflanzen, Duschen, Kochen oder einfach der Atmung der Bewohner freigesetzt wird, kann sich in stillen Ecken ansammeln. Der Boden rund um Pflanzgefäße wird so zu einem feuchten Mikroklima, in dem Bakterien und Pilze ideale Bedingungen vorfinden.

Praktisch lässt sich das mit kleinen Veränderungen vermeiden. Der Topf sollte nicht direkt an kalte Außenwände gestellt werden, wo Kondenswasser entstehen kann. Auch sehr dunkle Ecken ohne Luftbewegung sind problematisch. Standorte mit milder, natürlicher Zirkulation – etwa in der Nähe von Türen oder Fenstern, aber nicht im Durchzug – sind ideal. Ein Raumventilator im niedrigen Modus kann in besonders stillen Räumen helfen, die Luft sanft zu bewegen, ohne dass es zieht.

Auch textile Elemente wie Vorhänge oder dekorative Überwürfe, die um oder über den Topf drapiert sind, können die Luftzirkulation behindern. Sie wirken wie eine Glocke, die Feuchtigkeit einfängt. Solche Textilien sollten regelmäßig angehoben und gewaschen werden, um Geruchsbildung zu vermeiden.

Licht als regulierender Faktor

Gleichzeitig spielt Licht eine oft unterschätzte Rolle im Feuchtigkeitshaushalt. Bei niedriger Beleuchtung reduziert sich die Photosyntheserate der Pflanze, und damit sinkt auch die Transpiration – die Verdunstung von Wasser über die Blätter. In sehr dunklen Bereichen bleibt die Erde daher länger nass, selbst bei moderaten Wassergaben.

Die ideale Position für Sansevieria liegt im hellen Halbschatten. Zu viel direkte Sonneneinstrahlung kann die Blätter bleichen oder sogar verbrennen, zu wenig Licht verlangsamt alle Stoffwechselprozesse. Ein Standort nahe einem Fenster mit indirektem Licht, oder in einem Raum mit guter allgemeiner Helligkeit, bietet die beste Balance. Dort wird die Pflanze zur Photosynthese angeregt, verdunstet kontinuierlich Wasser und trägt so zu einem gesunden Feuchtigkeitshaushalt im Substrat bei.

Sansevieria als biologischer Indikator

Interessanterweise können Pflanzen wie Sansevieria als Frühwarnsystem für Raumklima-Probleme dienen. Ein deutlicher Modergeruch aus dem Topf weist auf zu hohe Luftfeuchtigkeit oder mangelnde Belüftung im Raum hin – Bedingungen, die auch Schimmelbildung an Wänden, Möbeln oder Textilien begünstigen. In diesem Sinn ist der Bogenhanf ein biologischer Indikator: Wenn er anfängt, muffig zu riechen, stimmt etwas im Zusammenspiel von Wasser, Luft und Mikroorganismen nicht – sowohl im Topf als auch im größeren Kontext des Raumes.

Diese Perspektive kann helfen, das Problem nicht isoliert zu betrachten. Statt nur die Pflanze zu behandeln, lohnt es sich, das gesamte Raumklima zu analysieren. Gibt es Feuchtigkeitsquellen, die übersehen wurden? Ist die Belüftung ausreichend? Sind andere Pflanzen oder Materialien im Raum ebenfalls betroffen? Ein ganzheitlicher Ansatz führt zu nachhaltigeren Lösungen.

Quellen statt Symptome: Die Philosophie funktionaler Raumgestaltung

Wer versteht, wie Gerüche in Innenräumen entstehen, kann sein Umfeld gezielter gestalten. Es geht nicht darum, Symptome mit Duftstoffen zu überdecken, sondern Ursachen zu adressieren. Das beginnt bei der Identifikation von Geruchsquellen: feuchte Textilien, schlecht belüftete Müllbehälter, unzureichend getrocknete Waschmaschinen, verschmutzte Abflüsse. Jede dieser Quellen setzt flüchtige organische Verbindungen frei, die zur Gesamtbelastung beitragen.

Die Behandlung erfolgt an der Quelle. Textilien müssen vollständig trocknen können, Müllbehälter sollten versiegelt und regelmäßig gereinigt werden, Abflüsse benötigen gelegentliche Spülung mit heißem Wasser oder biologischen Reinigern. Biologische Systeme wie Pflanzen werden unterstützt, indem man ihre tatsächlichen Bedürfnisse respektiert: durchlässige Böden, angepasstes Gießverhalten, regelmäßiges Entfernen abgestorbener Pflanzenteile.

Technische Lösungen ergänzen diesen Ansatz dort, wo biologische und manuelle Methoden an Grenzen stoßen. Aktivkohlefilter für Räume mit hoher Geruchsbelastung, HEPA-Filter in Bereichen mit Staubproblemen, gelegentlicher Einsatz von Ionisatoren – all das sind Werkzeuge, die in einem durchdachten Konzept ihre Berechtigung haben, aber nicht als Ersatz für grundlegende Hygiene und richtige Pflege dienen können.

Die Stille als Qualitätsmerkmal

Eine gesunde Sansevieria riecht nach nichts – und genau das ist ihr bestes Attribut. Die Stille, die sie in einen Raum bringt, ist kein Duft, sondern ein Gleichgewicht. Wenn weder Erde noch Luft aufdringlich sind, funktioniert das gesamte Ökosystem einer Wohnung harmonisch. Pflanzen, Materialien und Menschen teilen denselben neutralen Hintergrund, in dem Gerüche nur dann wahrgenommen werden, wenn sie bewusst gewünscht sind – frisch zubereitetes Essen, ein geöffnetes Fenster mit Frühlingsluft, Kaffee am Morgen.

Diese Neutralität ist das Gegenteil von aufdringlichem Duftmarketing, aber sie bildet das Fundament echter Wohnqualität. Ein Topf mit trockenem, sauberem Substrat, umgeben von frischer Luft, zeigt, dass Pflege und Zurückhaltung manchmal dieselbe Sprache sprechen. Es braucht keine komplizierte Ausrüstung, um dieses Gleichgewicht herzustellen: durchlässige Erde und ein Topf mit Ablauflöchern, bewusstes Gießen im Rhythmus des tatsächlichen Bedarfs, gelegentliche Nutzung von Aktivkohle für Erd- und Raumluftpflege, ein Standort mit Licht, Luftbewegung und konstanter Temperatur.

Die Kombination dieser einfachen Maßnahmen verhindert nicht nur Fäulnis, sondern bringt auch den eigentlichen Charakter der Sansevieria zur Geltung: ruhig, widerstandsfähig, sauber in Form und Wirkung. Sie ist kein Wundermittel für schlechte Raumluft, aber ein robuster, geduldiger Begleiter, der mit minimaler Aufmerksamkeit seinen Platz findet und behält.

Wie oft gießt du deinen Bogenhanf aktuell?
Wöchentlich oder öfter
Alle zwei bis drei Wochen
Nur wenn die Erde komplett trocken ist
Ich vergesse es meistens
Habe keinen Bogenhanf

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